Mehr als "Bödeledütsch"!

Gern als „Bödeledütsch ¹“ belächelt, zählt der Sprachgebrauch der Dornbirner zu einem der vielfältigsten innerhalb des Alemannischen. Und wer sich umhört in der Stadt, der merkt: Dornbirner Mundart ist lebendig. Manche Worte verändern sich, neue kommen dazu und alte finden wieder Verwendung. Der Mundartsammler Albert Bohle hat jahrelang gebräuchliche Ausdrücke notiert und diese dann als Sammlung veröffentlicht. Von A wie „arko “ [zufällig begegnen] bis Z wie „zweag ko “ [zurechtkommen] ist alles dabei – und auch so manches Schimpfwort kennt ein eingesessener Dornbirner in seiner Mundart. Wir widmen uns in dieser Ausgabe einigen althergebrachten Ausdrücken und wünschen „Fröuda wia Hüsor“ [eine sehr große Freude] beim Lesen.


Bisch a klä agschlago?
etwas krank sein. Nicht jeder Dornbirner, der kränkelt, ist gleich krank. Denn als richtig krank gilt erst, wer bettlägrig ist und sich kaum rühren kann. Alle anderen sind „a klä agschlago“.

I woas nid, wo ne de ahne tua söll
Du kommst mir bekannt vor, aber ich weiß deinen Namen/deine Sippe nicht. Die Neugier liegt den Dornbirnern im Blut. Lernt man jemanden kennen, den man rein theoretisch kennen könnte, so lässt man beiläufig den Satz fallen und schon bekommt man Abstammung, Nachname oder einen Hausnamen zu hören.

d’ Gobo/Gobowar
Kinder/Kinderschar. Kinder sind ein beliebtes Thema für ein bisschen Smalltalk, wenn man sich zufällig über den Weg läuft. Da erkundigt man sich gern nach „d’ Gobo“, oder wenn ebendiese mal zu laut herumtollen, werden sie als „Gobowar“ beschimpft.

I hion an Boaz uf
Reiz , ich habe einen Zorn, mitunter auch eine Lust auf etwas. „Boaz hio“ kann im Dornbirner Dialekt mehrfach verwendet werden: Entweder man hat Lust darauf, etwas zu tun/zu unternehmen oder – ganz anders gebräuchlich – man ist sauer auf jemanden. Wer da als Zuhörer nicht auf die Tonart des Gesagten achtet, kann schnell mal was missverstehen.

Du moanst woll, i hei an Gealdschißar?
du meinst wohl, ich hätte unbeschränkt Geld! Nicht ganz freundlich formuliert, aber wenn einer immer die Kosten für andere übernehmen soll, dann bringt es dieser Satz wohl auf den Punkt.

Geall!
Nicht wahr?! Dieser Ausruf/diese Frage hört man gern und oft in Dornbirns Straßen. Schließlich will ein Dornbirner seine Aussagen bestätigt wissen. Man hängt einfach ans Satzende ein „Geall!“ und wartet dann auf ein bestätigendes Wort. Oft wird auch einfach weitergesprochen, ohne auf eine Bestätigung zu warten. Denn es gibt ja viel zu erzählen …

¹ Verächtliche Bezeichnung für die hochdeutsch-mundartliche Mischsprache der Schickeria