FREIZEIT

Den Bergen zu Füßen

Dornbirn liegt zwar nicht auf dem Berg. Dafür ist es umgeben von Erhebungen. Sie locken jeden, den Winter zu genießen – nach draußen.

Wer von uns möchte nicht höchstselbst den Winter einläuten, indem er sein Gesicht von der Sonne wärmen lässt und gleichzeitig mit den Füßen mitten im pulvrigen Weiß steht? Wobei, so wählerisch sind wir gar nicht, extra-pulvrig muss der Schnee nicht mal sein. Nur gut erreichen sollte sich das sportliche Vergnügen lassen. Von Dornbirn, der Stadt in der Ebene, liegt da Folgendes mehr als nahe: das„Hausskigebiet“ Bödele anzusteuern, am besten so, dass bei der Ankunft gerade die Lifte anlaufen. Denn an diesem Tag haben wir noch viel vor. Je nachdem, wen man fragt, ist das Bödele von der Stadt aus in 10 oder in 15 Autominuten zu erreichen. Noch sorgloser sind wir per Bus unterwegs: dazu einfach das Auto in der Dornbirner Stadtgarage parken und in ein Fahrzeug der Linie 38 einsteigen.

Während andere Vorarlberger Skigebiete zum Beispiel Komfort wie Schneekanonen noch und nöcher und natürlich schiere Größe bieten, überrascht uns das Bödele mit Naturschnee, breiten Pisten und der, wie mancher Insider behauptet, schönsten Aussicht Vorarlbergs. Schon seit 1907 lernen hier fast alle Dornbirner Kinder das Skifahren. Damals wurde ein großer Schlitten an einem Seil mit einem vier PS starken Puch-Motor hochgezogen. Diese Konstruktion war vermutlich der erste öffentlich zugängliche Skilift überhaupt. Die Schneeverhältnisse sind am Bödele selbst dann noch gut, wenn am Schwarzenberg bereits die Gänseblümchen ihr Gute-Laune-Gesicht zeigen. Nicht umsonst wird der Berg auch das „Schneeloch“ genannt. Die Wolken, die aus Richtung Bodensee kommen, treffen hier auf den ersten Widerstand und laden ihre weiße Pracht ab. In der Zwischenzeit haben wir es uns in der Meierei, einer der Hütten mitten im Skigebiet,bei einer deftigen Erbsensuppe bequem gemacht. Und zum Abschluss gibt es noch einen Subirer – einen Schnaps aus Mostbirnent. Von diesem familienfreundlichen Skigebiet mit zehn Liften und Pisten von blau bis schwarz aus direkt zum nächsten Vergnügen durchzustarten, so hartgesotten seid ihr nicht: bitte sehr. Denn ihr solltet euch wappnen. Jetzt geht es zum einzig wahren Hausberg, zumindest dem Dornbirns. Dem Karren.

Karren in Dornbirn © Dornbirner Seilbahn GmbH
Bödele © Klaus Ender, Archiv Vorarlberg Tourismus
Skigebiet Boedele © Schwarzenberg, Bödele

Für alle, die die Höhenluft lieben. Dazu hält, zurück in der Stadt, wieder ein fahrbarer Untersatz  her, zum Beispiel ein Bus der Linie 7 bis zur Talstation der Karrenseilbahn. In einer Kabine locker-lässig raufgegondelt und dabei wieder einmal die umwerfende Aussicht aufs Rheintal genossen. Oben angekommen, ist natürlich die zwölf Meter über den Abgrund ragende Plattform ein Muss. Schließlich kann man von einem traumhaften Weitblick ins Rheintal nie genug bekommen. Auch hier dürft ihr die fast schon romantisch-kitschige Urlaubsatmosphäre genießen. Und ihr solltet mindestens zu zweit sein, damit ihr nachher Zeugen habt. Für den Fall, dass Anschauer – sprich Neider – behaupten, eure Fotos seien gefakt. Und jetzt kneift die Pobacken zusammen und zeigt, aus welchem Kerbholz ihr geschnitzt seid. Denn von der Bergstation aus geht es per pedes in Richtung Ebnit.

Wer die Route über Schuttannen, die Hinterbergalpe, die Schönemannalpe, Fluhereck und schließlich den Endpunkt Ebnit nimmt, hat dauerhaft den Rundumblick. Die zurückgelegten Höhenmeter betragen 730 Meter, 420 Meter auf- und 310 Meter abwärts. Die Wanderung ist sehr gut ausgeschildert, die Gehzeit beträgt rund drei Stunden. Und das Beste kommt wie häufig zum Schluss: Im Ebnit lässt es sich gut einkehren, zum Beispiel in der Alpenrose, im Heumöser 3 oder im s’Marend. Ebnit ist übrigens ein Luftkurort, hat gut 100 Einwohner und ist, am wichtigsten in diesem Fall, ein malerisches Walserdorf. Überhaupt wartet ab jetzt nur noch die pure Belohnung: die Rückfahrt mit dem Postbus durch die Schluchtenstraße zurück nach Dornbirn, wo es eine heiße Überraschung gibt.

 

 

Wir ziehen uns nämlich zum gefühlt xten Mal an diesem Tag um. Genauer gesagt, aus. Denn nun machen wir etwas, das wir uns an diesem anstrengenden Tag redlich verdient haben: nackt sein und schwitzen, bis das Blut in Wallung gerät. Um richtig zu saunieren, sind wir ins stadtbad gegangen, das nicht nur so heißt, sondern auch zentral gelegen ist. Und um richtig zu saunieren, gilt es,sich Zeit zu nehmen. Mindestens zwei bis drei Saunagänge sind ein Muss, um den Körper von Grund auf zu reinigen und zu entspannen. Zuerst ordentlich abbrausen, dann eine der Saunas wählen: Heiß, weniger heiß, am wenigsten heiß … Dann entweder bis einschließlich zum Kopf im kalten Tauchbad verschwinden. Oder die heute schon so häufig geschnupperte Winterluft inhalieren und dabei die Hitze ausdampfen. Und anschließend, wenn die Muskulatur schön locker und gut durchblutet ist, gönnen wir uns eine Massage. Zum Beispiel mit einer halben Stunde Verwöhnen Lassen bei gedämpftem Licht und entspannender Musik im Hintergrund.

Das I-Tüpfelchen ist ein feines Gläschen danach. Dazu lockt die Dornbirner Innenstadt, die bequem zu Fuß zu erreichen ist. Hier ist die Auswahl groß. Wenn ihr dazu einen Tipp wollt, blättert weiter zu Seite 47, wo ihr den Captain auf seiner Tour quer durch Stadt und Nacht begleiten könnt. Ihr seht, es lohnt sich immer, in und rund um Dornbirn unterwegs zu sein!